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Haus am Kleistpark

Die Geschichte des
Haus am Kleistpark


Altes Botanisches Museum Schöneberg, 1901

Der Gründerzeitbau, den wir heute als Haus am Kleistpark kennen, ist 1880 ursprünglich als Königlich Botanisches Museum errichtet worden. Das Gebäude liegt in unmittelbarer Nähe zum Heinrich-von-Kleistpark, kurz „Kleistpark“ genannt. Dieser gibt dem Haus nicht nur seinen Namen; sein Areal ist auch historisch eng mit dem Bau verknüpft. Die Geschichte des Hauses ist auch die seiner näheren Umgebung.


Die Geschichte eines Gartens


Karte des Botanischen Gartens Schöneberg, 1886

Im Jahr 1506 erwarb der brandenburgische Kurfürst Joachim I. das südwestlich von Berlin gelegene Dorf Schöneberg. Hier wurde in der Folgezeit ein Küchen- und Hopfengarten zur Versorgung des Hofes angelegt.

1679 ließ Kurfürst Friedrich Wilhelm den Hopfenanbau einstellen; auf dem Schöneberger Grundstück wurde ein Hof- und Küchengarten eingerichtet. Dieser diente zum einen den Bedürfnissen des Hofes, zum anderen der Belehrung der Bevölkerung über verschiedene Pflanzen und ihre Anbautechniken.

Sein Nachfolger, der spätere König Friedrich I., ließ den bisherigen Nutzgarten schließlich in einen Lustgarten mit Gewächshäusern und seltenen Pflanzen umgestalten. 1718 unterstellte wiederum sein Sohn, König Friedrich Wilhelm I., den Garten der Preußischen Akademie der Wissenschaften.

So bildete sich mit den Jahren aus dem kurfürstlichen Küchengarten der Königlich Botanische Garten heraus, zu dem Ende des 19. Jahrhunderts 17.000 kultivierte Pflanzen, 36 Gewächshäuser, sowie Lehr- und Forschungseinrichtungen zählten.


Botanischer Garten Schöneberg, Kakteenhaus, 1903


Botanischer Garten Schöneberg, Gewächshäuser, 1903


Adelbert von Chamisso:
Romantischer Dichter und Naturforscher

Adelbert von Chamisso ist uns heute vor allem als Dichter der Romantik
(„Peter Schlemihls wundersame Geschichte“) bekannt. Doch war er ebenso als Naturforscher tätig und seit 1819 in der Funktion des zweiten, später des ersten, Kustos am Botanischen Garten beschäftigt. Das angegliederte Herbarium wird unter seiner Leitung zum Reiseziel zahlreicher Wissenschaftler und gehört zu den namhaftesten seiner Zeit. Mehr als vierzig Jahre nach seinem Tod (1838) wird dieses Herbarium in den oberen Räumen des neu gebauten Königlich Botanischen Museums untergebracht. Eine Gedenktafel am Haus am Kleistpark erinnert heute an das naturwissenschaftliche Wirken des Dichters.


Herbarium des Botanischen Museums Schöneberg, heute Ausstellungshalle im 2. OG.


Das Königlich Botanische Museum

1880 wurde der Königlich Botanische Garten durch den Bau eines Museums, dem heutigen Haus am Kleistpark, ergänzt.

„Nähe der Südwest-Ecke des botanischen Gartens erhebt sich, die Front nach dem Wilmersdorfer Weg gewendet, […] der stattliche Bau des botanischen Museums. […] Die zum botanischen Museum im engeren Sinn gehörigen Räumlichkeiten bestehen aus einer Vorhalle, zwei Arbeitszimmern und endlich zwei großen, mit Galerien versehenen Sälen. In denselben finden sich Gegenstände aus dem Pflanzenreiche ausgestellt, welche sowohl ein wissenschaftliches, wie durch ihre praktische Anwendung ein allgemeines Interesse gewähren. […]“ (Deutsche Gärtner Zeitung, 1882)


Die Botanische Zentralstelle für die deutschen Kolonien

Im Zuge der Kolonialisierung gründete der damalige Direktor des Königlich Botanischen Gartens, Adolf Engler, 1891 die „Botanische Zentralstelle für die deutschen Kolonien“. Der Schöneberger Garten diente fortan unter anderem der Erforschung und Züchtung tropischer Nutzpflanzen, die zum Anbau in die Kolonien versandt wurden. Zudem wurden Gärtner für ihren Einsatz in der Ferne ausgebildet und exotische Gewächse wie Kakao, Kaffee und Baumwolle in der Bevölkerung bekannt gemacht.


Vom Königlichen Garten zum öffentlichen Park

Nur 30 Jahre nach Fertigstellung des Museums wurde der Königlich Botanische Garten aus Platzmangel – der Garten konnte nicht vergrößert werden – nach Dahlem verlegt. In den „stattlichen Bau“ an der Grunewaldstr. zog unter anderem die „Staatliche Stelle für Naturdenkmalpflege“ ein, die die ersten Naturschutzbestimmungen in Preußen erließ. Der Garten wird zum Park umstrukturiert.


Ein Name für den neuen Park

1911, anlässlich des 100. Todestages des Dichters Heinrich von Kleist, wird der Park nach diesem benannt. Um den Charakter des Parks zu wahren, wurde eine Baubestimmung erlassen. Diese untersagte den Bau von Fabriken und gewerblichen Anlagen mit „lästigem Geräusch oder üblen Gerüchen“; Neubauten durften ihre Fassaden, nicht aber Hinterhäuser oder Höfe, auf den Park ausrichten.


Rosengarten im Kleistpark, 1928


Nutzung im Dritten Reich

Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten wird aus der „Stelle für Naturdenkmalpflege“ die „Reichsstelle für Naturschutz“. Wie andere Bereiche, wird auch der Naturschutz der NS-Ideologie unterworfen. Zugleich ist im Haus die „Reichsstelle für das Schulwesen“ untergebracht. Im Zweiten Weltkrieg zerstört eine Bombe den Nordost-Flügel des klassizistischen Baus. Seither gibt es Bestrebungen den Flügel wieder aufzubauen.


Altes Botanisches Museum Schöneberg, später zerbombter Flügel, vom Garten aus gesehen, 1901


Von der Botanik zur Kultur

Im Jahr 1967 zieht das Kunstamt unter der Leitung von Georg Zeller an die Grunewaldstr. Bespielt werden, wie heute, die ehemaligen Räume des Herbariums im zweiten Stock. In diesen Jahren etabliert sich die Kommunale Galerie unter dem Namen Haus am Kleistpark. Gemeinsam mit der Musikschule (später Leo Kestenberg Musikschule), die im gleichen Jahr einzieht, wird das Haus zum Ort der Kultur mit einem Angebot an Ausstellungen, Lesungen und Konzerten.

Zeller zeigt die Berliner Realisten und fördert später Künstler/innen der heftigen Malerei. 1982 übergibt er die Leitung an Katharina Kaiser. Sie setzte Schwerpunkte zur zeitgenössischen Kunst und widmete sich gesellschaftlichen sowie historischen Fragestellungen. Zudem wurden unter ihrer Leitung bedeutsame künstlerische Fotografieausstellungen im Haus gezeigt, wie beispielsweise eine Retrospektive des für seine Kriegsreportagen international bekannten Fotografen Robert Capa oder eine Ausstellung der konzeptuell und theoretisch mit Fotografie arbeitenden amerikanischen Künstlerin Martha Rosler.


Einladung zur Ausstellung „Robert Capa. Retrospektive 1932–54“, 1986


Ausstellung „Martha Rosler. If not now, when?“, 2005


In guter Nachbarschaft: Großgörschen 35

Ab Mitte der 1960er Jahren hatte sich im nördlichen Schöneberg, in den Fabrikgebäuden und Hinterhöfen Nähe des Kleistparks, eine rege Künstlerszene angesiedelt. Dazu zählte auch die von 14 Künstlern (u.a. Karl Horst Hödicke, Bernd Koberling, Markus Lüpertz) gegründete Galerie „Großgörschen 35“. In einer Zeit, in der neuartige Formen der Kunst- und Kulturvermittlung erprobt wurden und Ausstellungsflächen Mangelware waren, gründeten die jungen Maler kurzerhand eine eigene Galerie. Diese bildete den Anfang einer Reihe von Produzentengalerien, die in den nächsten Jahrzehnten folgen sollten wie 1978 die „Kulmerstraße“ und 1980 die „Garage“. 50 Jahre später, im Jahr 2014, erinnerte das Haus am Kleistpark mit einer umfangreichen Ausstellung an die legendäre Künstlergalerie.


Ausstellung „Großgörschen 35. Aufbruch zur Kunststadt Berlin 1964“, 2014, Foto © Gerhard Haug, Berlin


Gegenwart

Seit 2011 ist Barbara Esch Marowski die Galerieleiterin des Haus am Kleistpark. Sie baut den Fokus auf künstlerische Fotografie aus und bringt nationale wie internationale Positionen ins Haus. Die kommunale Galerie Haus am Kleistpark und die angegliederten Standorte stehen mit ihrer Geschichte bis heute für Weltoffenheit, Experiment und künstlerische Entdeckungen auf hohem Niveau. Lokal-urbaner Bezug und interkultureller Austausch verbinden sich unter Einbezug globaler Zusammenhänge. Als Begegnungsräume sind die kommunalen Galerien Tempelhof-Schöneberg nicht-kommerzielle Orte der Vermittlung zeitgenössischer Kunst, der Kommunikation und des kritischen Diskurses für alle Interessierten.


Ausstellung Arwed Messner und Annett Gröschner „Mauer/Wall // Macht/Power“, 2016, Foto © Gerhard Haug, Berlin


Ausstellung „In Den Raum Zeichnen. umreißen, verdichten, spuren“, 2017, Kooperation mit der Galerie Nord und der Galerie Parterre, Foto © Gerhard Haug, Berlin