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Haus am Kleistpark

KünstlerInnen

James Higginson

Der aus Los Angeles stammende und seit 2004 in Berlin lebendende und arbeitende Künstler James Higginson ist vor allem mit seinen perfekten Fotoinszenierungen bekannt geworden. Inszenieren ist gewissermaßen seine künstlerisch-fotografische Domäne.

In der jetzt für das HAUS am KLEISTPARK von Enno Kaufhold kuratierten Ausstellung Behold liegt der Fokus der in den letzten Jahren entstandenen und hier in Teilen erstmals gezeigten Serien auf dem Bild des Mannes.

Da sind die Männer selbst, die sich als Mann und mithin männlich sehen, da ist die Gesellschaft, die – aus unterschiedlichen Quellen gespeist – eine Vorstellung vom Mann hat und schließlich ist es der Künstler James Higginson, der sein Bild vom Mann hat. Das ist jedoch offen und folglich wechselt er von Serie zu Serie die Perspektive. Das erlaubt ihm Sichtweisen, wie sie eher einem jüngeren, auf Rollen und Normen noch nicht festgelegten Mann eigen sein könnten. Deshalb der Untertitel “Perspectives at play in a young man’s mind”.

Und selbstredend sind die entstandenen Bilder, wie bei allen Arbeiten von James Higginson, nicht allein seiner Fantasie entlehnt, sondern reflektieren die realen, sich beschleunigenden aktuellen Veränderungen und beziehen sogar prospektive Vorstellungen mit ein. Denn was als männlich gilt, befindet sich in einem dialektischen Transformationsprozess mit dem, was als weiblich angesehen wird. In ihrer Summe reflektieren die Bildserien von James Higginson die Gender-Diskussionen genauso wie die Emanzipation des Homosexuellen, des Transsexuellen oder des Transvestismus und verleihen so der allgemeinen Liberalisierung des Geschlechtsspezifischen ein anschauliches und letztlich künstlerisches Erscheinungsbild.

In der titelgebenden Serie Behold (2010/2011) hat James Higginson den von ihm fotografierten Männern – mit deutlicher Anspielung auf Man Rays Le Violon d ́Ingres mit dem Rückenakt seiner Muse Kiki de Montparnasse – mit schwarzer Farbe eine weiblich konnotierte Taille auf den Rücken gemalt. Hier vermischt sich das erotisch besetzte weibliche mit dem robusteren männlichen Profil.

Mit Anspielungen auf frühe Pin-Up-Motive sowie Bilder der Nacktkultur hat er in der Serie Interlude (2004/2010) nackte Männer vor der landschaftlichen Kulisse Berliner Seen aufgenommen. Die Männer nehmen Posen ein, die an frühere weibliche wie männliche Aktdarstellungen mit arkadischem Ambiente erinnern.

In der Serie Hollywood Dresses (2008) porträtierte James Higginson die von ihm eingeladenen Männer unmittelbar nachdem diese über ihre Kleidung originale Frauenkleidungen gezogen hatten, die in den B-Movies aus Hollywood bis in die 1990er Jahre Verwendung fanden. Ein Rollenspiel mit sichtbaren Verunsicherungen. Denn die für die Männer ungewohnte Kleidung hatte unmittelbare Auswirkungen auf ihre Körpersprache. Als Variation dieser Serie fotografierte James Higginson die Männer in den ungewohnten Kleidungsstücken im Sprung, also in expressiver Bewegung (2009).